Schlagwort Archiv: 1950er

WA045 Witness for the Prosecution

Ganz im Sinne der rechtlichen Dreifaltigkeit von Richter, Geschworenen und Henker haben Christina, Max und Christian sich in die Hände der Justiz begeben. Auf der Anklagebank: Billy Wilder mit Charles Laughton, Tyrone Power und Marlene Dietrich. Auf Seiten der Verteidigung: Agatha Christie. Und im Kreuzverhör: “Zeugin der Anklage”. Das Urteil fällt einstimmig aus. Wie genau? Dazu müsst ihr die Folge schon hören. Wir wünschen viel Spaß!

Der Film im Netz: OFDb* | moviepilot | IMDb

Berlinale 2015: Glorious Technicolor

Während die nächste reguläre Ausgabe noch auf sich warten lässt, berichten wir in einer Sondersendung, aufgenommen am 14.02.2015, von der visuell berauschenden Retrospektive der 65. Berlinale: Glorious Technicolor. In ungewohnter, aber genauso kompetenter Besetzung erzählen wir von gut abgehangenen Klassikern wie “Vom Winde verweht” und Geheimtipps wie “Leave Her To Heaven”. (mehr …)

WA036 The Tarnished Angels

Wir haben uns aufgemacht in die Welt der Himmelsstürmer und ermatteten Engel (mal als ganz freie Übersetzung des Originaltitels THE TARNISHED ANGELS), die in einer wunderbar anzusehenden, polierten Filmwelt nicht nur nach den Sternen greifen, sondern auch durch die Sümpfe des menschlichen Elends waten müssen. (mehr …)

WA019 Twelve Angry Men

Der Hörerwunsch ist uns Befehl und so nehmen wir uns diesmal einen anerkannten und gut abgehangenen Hollywood-Klassiker zur Brust: 12 Angry Men von Sidney Lumet. Quasi als Vorfilm genehmigen wir uns die ursprüngliche Fernsehfassung, in der schon drei Jahre vor dem Kinofilm die gleiche Geschichte erstmalig von einem gewissen Franklin J. Schaffner verfilmt wurde. Und wir staunen nicht schlecht über die damals übliche Technik des “Live Television Drama”, in der die Schauspieler wie im Theater das Stück im Ganzen durchspielten und die Kamerabilder live auf den Fernsehschirmen der Zuschauer landeten. Diese legendäre Zeit, als solche Formate im amerikanischen Fernsehen Woche für Woche gezeigt wurden, wird heute auch als The Golden Age of Television bezeichnet. 12 Angry Men wurde eigens für dieses TV-Programm geschrieben und wir entdecken einige Dinge, die uns im Live-Drama besser gefallen als in der Kinofassung.

Live-TV Drama: IMDb | moviepilot
Kinofilm: OFDb* | IMDb | moviepilot

Film-Podcast Empfehlungen: Bahnhofskino | Second Unit | Spätfilm

WA018 Samurai Trilogie

Diesmal verschlägt es uns zu den Wurzeln des japanischen Samurai-Kinos. Unser Gast Thomas Wüstemann bringt uns die wahrhaftig epische Trilogie über den titelgebenden “Miyamoto Musashi” mit und wir machen uns gemeinsam auf zu einer Reise durch die japanische Geschichte um 1600. Wir besprechen ausführlich mit welchen filmischen Mitteln der Regisseur Hiroshi Inagaki die Romanvorlage von Yoshikawa Eiji zu einem bildgewaltigen Kinodrama umgearbeitet hat und wir erleben die Geburtsstunde einer Kinolegende: Toshiro Mifune als ikonischer Samurai – ein Ronin auf dem Weg des Schwertes. Zwischendrin zitiert Thomas einige Stellen aus dem Roman, der durch eine sehr cineastische Sprache auffällt, die einem Drehbuch nicht unähnlich ist.
Unser Gast ist übrigens selbst Filmemacher und Autor, klugscheißt noch mehr über Literatur und Texte beim Autorenforum Federteufel und ist genau wie Max und Christian aktiv im Filmemacher-Netzwerk Rostocker Schule.

WA017 Der Verlorene

In einer der vergangenen Episoden hatten wir schon mit dem Gedanken gespielt, uns gezielt Regie-Eintagsfliegen vorzuknöpfen. Also einen Filmemacher, der nach seinem Debüt keinen weiteren Film realisiert hat. Nicht selten in der Filmgeschichte waren es erfahrene Schauspieler, die auf dem Regiestuhl Platz nahmen. Man denke da z.B. an Charles Laughton mit dem Film “The Night of the Hunter”.
In der aktuellen Folge geht es um “Der Verlorene”, bei dem der außergewöhnliche Darsteller Peter Lorre nicht nur die Hauptrolle übernommen hatte, sondern auch seinen einzigen Kinofilm als Regisseur verantwortete. Wir nehmen den Film durchaus unterschiedlich wahr und Christian zweifelt an Lorres Regiequalitäten, aber dem eindringlichen Stoff können wir uns beide nicht entziehen.

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WA015 Das Totenschiff

Ganz aufgeregt besprechen wir das bewegende Seefahrer-Drama “Das Totenschiff” von Georg Tressler. So kündigt Christian z.B. Anmerkungen zu einem ganz besonderen Moment mit Horst Buchholz an, die nie erfolgen. Überhaupt verpassen wir völlig, das großartige und bedeutungsschwangere Finale zu beleuchten. Wir sind überzeugt, es liegt an diesem atemberaubenden Spielfilm, in dem Horst Buchholz und Mario Adorf mit vollem Körpereinsatz ihre Schaupielkunst zum Allerbesten geben. Was genau uns so gut daran gefallen hat und was euch in Zukunft in diesem Podcast erwartet, erfahrt ihr mit einem gezielten Klick auf die Playtaste. Rückmeldungen von euch in der Kommentarspalte sind dazu wie immer herzlich willkommen!

Der Film im Netz: OFDb.de* | filmportal | IMDb | moviepilot

Tarantula

Tarantula

Produktion: USA 1955

Regie: Jack Arnold

Darsteller: John Agar, Leo G. Carroll und Mara Corday (und nicht zu vergessen Clint Eastwood als Air Force-Pilot)

Synchronisation: Gert Günther Hoffmann spricht John Agars Dr. Matt Hastings, Alfred Haase spricht Leo G. Carrolls Dr. Deemer, Ilse Kiewiet spricht Mara Cordays Stephanie ‘Steve’ Clayton

Inhalt: Mitten in der Wüste nahe dem Städtchen Desert Rock hat Dr. Deemer (Carroll) sein Labor. Dort forscht er mit seinem Partner Eric Jacobs nach einer Lösung für das aus seiner Sicht aufkommende Problem des Welthungers. Dabei haben die beiden ein Mittel entwickelt, mit dem Lebewesen keine weitere Nahrung benötigen und noch dazu rasant – und über ihre eigentliche Körpergröße hinaus – wachsen. Das Mittel scheint angesichts der Test an Tieren ungefährlich. Doch als Jacobs tot in der Wüste aufgefunden wird, kann der Arzt Dr. Matt Hastings (John Agar) nicht glauben, dass er so plötzlich an Akromegalie gestorben sein soll. Kurz darauf kommt es in Deemers Laboratorium zu einem folgenschweren Zwischenfall, bei dem nicht nur Teile des Inventars sowie Versuchstiere verbrennen, sondern auch einige der Tiere entkommen können – unbemerkt von Dr. Deemer. Nach ein paar Tagen kommt es zu merkwürdigen Morden am Vieh der umliegenden Rancher…

Kinostarts:
USA: Premiere am 23.11.1955 in L.A., landesweit am 14.12.
Deutschland: 23.03.1956


Die Blu-ray Disc:
Koch Media hat einen weiteren Universal-Titel in HD rausgebracht. Die Ausgabe kommt im O-Ring, allerdings nicht wie auf Vorschaubildern zu erwarten war im roten Amaray, sondern im “einfachen” blau. Amaray selbst mit Wendecover. Der Hauptfilm liegt sowohl in Vollbild (1,33:1) als auch Breitwand (1,78:1) vor, also so wie er wohl auch in diversen Kinos zu sehen gewesen sein dürfte. Die 16:9-Variante beeinträchtigt die Bildkomposition zumindest in keinerlei Hinsicht negativ. Das Bild selbst ist ziemlich gut, abgesehen von einigen ganz wenigen Kratzern und Verunreinigungen. Dafür sieht die Kornstruktur in beiden Versionen äußerst gut aus und lässt das Geschehen auch wirklich wie Film aussehen.

Die Tonspuren klingen auch völlig akzeptabel. Bei der stimmungsvollen Synchronisation hat man sich lediglich einen größeren Lapsus bei den Bevölkerungszahlen erlaubt. Hier wurde das amerikanische “billion” nicht mit “Milliarden”, sondern mit “Billionen” übersetzt. In den Untertiteln ist die Übersetzung korrekt. Gerade Gert Günther Hoffmann (u. a. Sean Connery, Paul Newman, etc. pp.) hat eine schöne Stimme und auch großen Dialoganteil. Dennoch rate ich natürlich zum O-Ton. 😉 Da es sowohl Untertitel auf Deutsch wie Englisch gibt, kommt jeder auf seine Kosten.

Neben dem Vorhandensein des Films in zwei Bildformaten, gibt es auch weitere Extras. Da ist zunächst ein umfangreiches Interview mit Regisseur Jack Arnold, welches mit deutschem Voice-Over daherkommt. Mit knapp über 25 Minuten ist es umfangreich, aber – ganz wichtig – auch informativ ausgefallen. Arnold berichtet von der Entstehungsgeschichte des Films und Grundtechniken der Science-Fiction. Daneben finden sich noch Trailer auf Deutsch und Englisch sowie der deutsche Kinovorspann. Dass der Vorspann nicht mit Seamless Branching in den Hauptfilm integriert worden ist, ist angesichts der deutlich abfallenden Bildqualität nachvollziehbar. Schön, dass dieses Extra überhaupt sienen Weg auf die Disc gefunden hat. Ebenso in der Extrasabteilung finden sich eine Super-8-Version von knapp über 8 Minuten Länge sowie eine Normal-8-Variante mit … Die Super-8 liegt in deutscher Sprache vor, die Normal-8 ist ohne Ton, hat aber ein paar deutsche Texteinblendungen. Besitzt bereits die Super-8-Version ein ungeheures Tempo, legt die Normal-8-Fassung logischerweise nochmal einen drauf. Abgerundet wird das Extras-Paket mit einer Bildergalerie. Diese läuft nicht selsbt ab, sondern darf per Fernbedienung weitergeschaltet werden. Enthalten sind jede Menge Aushang-, Set- und Promofotos sowie Plakate, Presse und Konzeptzeichnungen. Allerdings sind auch einige Dopplungen in Form äußerst ähnlicher Bilder enthalten. Dies wird allerdigns durch einige sehr eindrucksvolle Motive aufgewogen. Insgesamt eine illustre Mischung an Extras, wenn auch das Interview die einzig Möglichkeit bietet, mehr über diverse Aspekte des Films zu erfahren.


Der Film:
Bisher kannte ich von Jack Arnold lediglich Der Schrecken vom Amazonas (OT: Creature from the Black Lagoon), der mich angesichts seiner – aus meiner Sicht enthaltenen – Botschaften hinsichtlich des Umgangs mit der Umwelt, sowie auch der Inszenierung positiv beeindrucken konnte. Nun also gab es den kurze Zeit später entstandenen Tarantula. Ja, das riesige, achtbeinige Tier als Lockmittel hat funktioniert, doch der Streifen kann auch mit anderen Sachen punkten.

Auffällig ist die Location, in der gedreht worden ist. Ein gewisser Teil des Films spielt in der Wüste “on location”, dort gibt es auch eine im Film nicht erklärbare Felsformation. So wie auch die Wüste von Dr. Hastings immer wieder als faszinierend und geheimnisvoll beschrieben wird – in dem enthaltenen Interview auf der Blu-ray wird deutlich, dass hier Arnolds eigene Sichtweise durchkommt. Der Drehort, die gewählten Perspektiven sowie die Dialoge an und über die Gegend tragen einen Großteil zur Atmosphäre des Films bei. Ich bin jetzt auch nicht unbedingt Wüsten-Fan, habe mich aber in diesem Fall darauf eingelassen.

Der nächste Punkt soll das Untier selbst sein. Auch hier wurde ganze Arbeit geleistet. Für mich funktioniert ein Großteil der Effekte auch heute noch. Seien es die eingefügten Vergrößerungen oder auch die gebastelte Spinne. Besonders die ersten Aufnahmen im Labor sowie gegen Ende das große Gesicht vor dem Fenster wirkten besonders eindrucksvoll. Die getricksten “Wanderungen” durch die Wüste können da nicht ganz mithalten. Dennoch sind mir diese handgemachten Tricks und Basteleien wesentlich lieber als alle Varianten, die heute aus dem Computer stammen. Auch die Effekte aus der Maskenabteilung können glänzen. Sämtliche “erkrankten” Menschen haben eindrucksvolle Verformungen, die sich aus gestalterische Sicht sehen lassen können.

Vom Ablauf der Geschichte her, gibt es nicht wirklich große Überraschungen. Das Monster wird recht lange herausgezögert, um dem Plot – das Rätsel um den Tod eines Forschers – langsam zur Entfaltung kommen zu lassen. Hier zeigt sich dann auch wieder das schon aus Schrecken vom Amazonas bekannte Gespür Arnolds für globale Probleme. Den Dr. Deemer sucht eigentlich nach einer Lösung für das aufkommende Problem des Welthungers. Es ist einerseits sicher etwas amüsant, welche Prognosen er für den Bevölkerungswachstum nennt. Andererseits auch heute noch erschreckend, denn a) wurden seine Prognosen übertroffen und b) ist eine echte Lösung für den Welthunger noch nicht existent. Auch wenn chemische Lösungen wie vor geraumer Zeit “Soylent” (da müsste eigentlich noch ein Thread zu Soylent Green her *notier*) ähnliche Ansätze verfolgen. Das Motiv der Angst vor dem Atom, welches bei anderen Monster-Filmen bzw. creature features immer wieder thematisiert wird, lässt sich sicher auch in diesen hereinlesen, scheint mir aber allerhöchstens minimal von Bedeutung zu sein, angesichts anderer angesprochener Probleme.

Spoiler! Der folgende Absatz enthält eine Beschreibung des Filmendes.
Mit John Agar und Leo G. Carroll kommen auch zwei Schauspieler zum Einsatz, die den Film durchaus tragen. Da gibt es wesentlich schlechteres im B-Film-Bereich. Diskussionwürdig auch das Ende, bei dem die Air Force wie deus ex machina durch den Einsatz von Napalm die riesige Tarantel erledigt. In dem bereits angesprochenen Interview äußert Arnold, dass er das Ende heute nicht mehr so drehen würde. Sicher ist die Lösung konsequent, lenkt aber meines Erachtens den Fokus weg von den angesprochenen kritisch beleuchteten Themen und wird dann eher auf Schauwerte reduziert. Wobei das bei einem Monsterfilm nichts schlechtes sein muss. Ich hatte da halt einfach ein paar kleine Hoffnungen. So oder so ein auch heute, knapp 60 Jahre nach ursprünglichem Erscheinen, noch sehenswerter Film. Dafür 7 Punkte.

Einen lesenswerten englischsprachigen Artikel sowie weitere Infos gibt es bei TCM.com.

Tarantula auf OFDb*, moviepilot