WA004 One, Two, Three

Wird es bei uns im Podcast ausschließlich um deutsche Filme gehen? Darüber besteht auch in der aktuelle Ausgabe Uneinigkeit und so stellen wir euch als Kompromiss einen Hollywood-Film vor, der im geteilten Berlin kurz vor dem Bau der Mauer spielt. Der Regisseur Billy Wilder drehte 1961 eine gewagte Komödie über Konflikte und überraschende Gemeinsamkeiten zwischen Kapitalismus und Kommunismus. Gegen Ende geraten wir noch in einen kleinen Exkurs über die schöne Cineasten-Streitfrage: O-Ton oder Synchro? Wir wünschen gute Unterhaltung und freuen uns sehr über Kommentare auf unserer Seite oder eine Rezension bei iTunes.

Der Film im Netz: OFDb* | moviepilot | IMDb

5 Kommentare

  1. Daniel

    Servus,

    ich bin Daniel vom Spätfilm. Zunächst einmal vielen Dank für eure Empfehlung hier auf der Seite!

    Ich habe mir eure Folge vorhin angehört und sie hat mir sehr gefallen. Bei eurer Synchro-Diskussion hätte ich gerne mitdiskutiert, was ich hiermit tue… 😉

    Denn ich bin zwar auch der Meinung, dass man immer, wenn man kann, den Film im Original schauen sollte, so wie es der Künstler intendiert hat. Aber ich verabscheue Untertitel von ganzem Herzen. Daher würde ich mir nie einen Film in einer Sprache angucken, die ich nicht spreche.

    Als großer Hitchcock-Fan leihe ich mir seine Worte: Filme erzählt man in Bildern, nicht in Worten. Wenn meine Augen aber ständig auf der Schrift kleben, dann kommen die Bilder zwangsläufig zu kurz. Da habe ich dann doch die Krücke der Synchro lieber als Untertitel…

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    1. Christian

      Hallo Daniel. Schön, dass du hier vorbeischaust und dich in den Kommentaren zu Wort meldest. Und eine gute Gelegenheit zum weiterdiskutieren lasse ich mir nie entgehen, schon gar wenn es meine fast dogmatische Ablehnung von Synchronfassungen betrifft.

      Vorweg: Filme meiner Kindheit und Jugend, wie z.B. die Indiana Jones Triologie, schätze ich sehr in der deutschen Synchronisation. Ich bin sehr glücklich, in einem Land zu leben, in dem soviel Liebe und Talent in die Übersetzung und Neuinterpretation von Kinofilmen gesteckt wird.

      Wenn ich Filme heute neu entdecke, dann suche ich nach einer möglichst unverfälschten Wiedergabeform – ein unerreichbares Ziel bei diesem ungeheuer komplexen Medium. Denn alle technischen Parameter wie z.B. Farben, Bildauflösung und Format lassen sie faktisch nie völlig übereinstimmend mit der vom Regisseur abgenommenen Fassung reproduzieren. Schon gar nicht, wenn man sich die gegenwärtige Fülle von Distributionswegen anschaut.

      Durch diese Umstände wird der Originalton, die tatsächliche Stimme der Schauspieler, für mich zu einem besonders kostbarem Gut. So tauche ich ohne Umwege direkt in die Handlung ein, quasi inklusive einem unverfälschten Eintritt in den jeweiligen Kulturkreis. Missverständnisse und Verwirrungen eingeschlossen. Auch einen Animationsfilm wie Alois Nebel will ich im tschechischen Original sehen – und es war wahrlich keine Freude, die Untertitel über den schwarzweißen Zeichnungen zu entziffern. Doch die authentische Atmosphäre des O-Tons möchte ich nicht vermissen.

      Ich finde es bezeichnend, wie es sich im Dokumentarfilm durchgesetzt hat, dass nicht-deutschsprachige Interviews simultan deutsch eingesprochen werden und die Originalsprache darunter hörbar bleibt. Man wagt es in dieser Filmgattung offenbar nicht, den Protagonisten ihre Stimme zu rauben. Ich selbst sehe zwischen Dokumentar- und Spielfilm nur unwesentliche Unterschiede, weswegen es für mich in szenischen Produktionen genauso undenkbar ist, nach der Fertigstellung den Menschen vor der Kamera eine andere Stimme zu geben.

      Weil ich schon oft von Alfred Hitchcocks Aussagen über Synchronisationen gehört habe, versuchte ich nun eine Quelle zu finden. Entdeckt habe ich folgende Worte aus dem Filmbuchklassiker von Truffaut “Mr. Hitchcock, wie haben sie das gemacht?”, die ich an dieser Stelle bewusst umfangreich zitiere:

      “…das Kino ist das am weitesten verbreitete Kommunikationsmittel und das mächtigste. Wenn man einen Film richtig macht, emotional, dann muss das japanische Publikum an denselben Stellen reagieren wie das indische. Das ist für mich als Regisseur das, worauf es immer ankommt. Wenn sie einen Roman schreiben, geht bei der Übersetzung das Entscheidende verloren. Wenn sie ein Stück schreiben und aufführen, dann wird es am ersten Abend richtig gespielt und danach verliert es die Form. Ein Film geht durch die ganze Welt. Er verliert fünfzehn Prozent seiner Kraft, wenn er untertitelt wird und nur zehn Prozent, wenn er gut synchronisiert wird, aber das Bild bleibt intakt, selbst wenn der Film schlecht projiziert wird.”

      Ich stimme diesen Worten vollkommen zu und genieße es mit fünfzehn Prozent Kraft-Abzug, meiner Affinität zu den realen Stimmen der Protagonisten heutzutage so einfach frönen zu können – per Knopfdruck in die Original-Tonspur.

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  2. Thomas

    Wundert mich dass ihr die “The Public Enemy” Hommage nicht erkannt habt. Cagney deutet einmal an Schlemmer eine Grapefruit ins Gesicht drücken zu wollen. Was natürlich an die entsprechende Szene in “The Public Enemy” erinnert.

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    1. Christian (Beitrag Autor)

      Danke Thomas, mir ist das überhaupt nicht aufgefallen. Erstaunlich, was diese Grapefruit bei “Public Enemy” noch für Nachbeben erzeugt hat. Sogar noch öfters bei Billy Wilder’s Filmen und anderswo: http://www.imdb.com/title/tt0022286/movieconnections

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    2. Max

      Ich kann mich da ganz einfach rausreden: The Public Enemy habe ich erst im Juli 2014 gesehen, also nach One, Two, Three. 🙂 Nichtsdestotrotz eine sehr interessante Anmerkung, da ja auf mehrere Filme angespielt wird.

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